[Pixelfeld / AdTech-Journal] Hauptseite Bd. XII · Heft 06 · Juni 2026

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Display · 11 min

UAP, FlexAds, MRAID 3.0: Banner-Format-Landschaft 2026

Das Universal Ad Package besteht weiter, FlexAds dominieren das Mobile-Inventar, MRAID 3.0 und OMID standardisieren die Auslieferungs-Schicht. Eine Trafficking-Referenz mit Specs, Weight-Limits und Migrations-Tabellen.

Die IAB-Banner-Format-Spezifikationen haben in den vergangenen drei Jahren weniger Bewegung gesehen als die Targeting-Schicht darüber, aber genug, dass jedes Trafficking-Team eine aktuelle Referenz braucht. Das Universal Ad Package (UAP) ist nominell ein Relikt der frühen 2000er, in der Praxis aber weiter das Rückgrat des Desktop-Display-Inventars. Die Flexible Ad Specifications (FlexAds) sind die Antwort auf die Mobile-First-Realität, in der Pixel-genaue Formate auf variable Viewports treffen. Und MRAID 3.0 plus OMID definieren, wie die Creatives ausgeliefert und gemessen werden.

Das Universal Ad Package: sechs Formate, weiter relevant

Das UAP wurde ursprünglich 2003 als IAB-Standard für Desktop-Display-Werbung definiert und mehrfach revidiert. In der heute genutzten Variante umfasst es sechs Formate:

FormatPixelPositionTypische Verwendung
Leaderboard728 × 90Above-the-fold horizontalTop-Slot Desktop
Medium Rectangle300 × 250In-ContentSidebar, In-Article
Wide Skyscraper160 × 600Sidebar verticalDesktop-Sidebar
Rectangle180 × 150In-ContentIn-Article-Sekundär
Micro Bar88 × 31Footer, Sponsor-HinweisBranding-Slot
Full Banner468 × 60Above-the-foldLegacy, weiter ausgespielt

Zusätzlich wird das klassische Skyscraper-Format 120 × 600 weiter unterstützt, auch wenn es aus den primären UAP-Empfehlungen herausgefallen ist. In der DACH-Praxis sehen wir 728 × 90 und 300 × 250 als dominierende Desktop-Formate; sie machen zusammen rund 78 Prozent aller programmatisch gehandelten Desktop-Impressions aus. 160 × 600 hält stabile 11 Prozent, die Restformate teilen sich den Rest.

Die UAP-Formate sind Pixel-exakt und Aspect-Ratio-fix. Das ist im Desktop-Kontext unkritisch, weil die meisten Layouts diskrete Slot-Größen vorhalten. Im Mobile-Kontext bricht das Modell, weshalb die IAB 2017 die FlexAds als parallele Spezifikation eingeführt hat.

Flexible Ad Specifications: Aspect-Ratios statt Pixel-Größen

Die FlexAd-Spezifikation arbeitet mit Aspect-Ratio-Containern statt fixen Pixel-Größen. Der Trafficker liefert ein Creative, das sich innerhalb der definierten Ratio auf den Viewport anpasst. Drei Ratio-Familien stehen im Zentrum: 6:5 für In-Feed-Slots (typisch in News-Feeds und Listicles), 2:3 für In-Stream-Vertical (Mobile-Web-Reading), 9:16 für Full-Bleed-Vertical (Mobile-Web-Interstitials, Stories-Style-Slots).

Daneben definiert die Spec sekundäre Ratios: 1:1 für quadratische Social-Feed-Slots, 16:9 für In-Stream-Video-Companion und 4:5 für ältere Instagram-kompatible Statics. Das Asset-Set, das ein Werbetreibender für eine vollständige FlexAd-Kampagne liefern muss, umfasst in der Praxis fünf bis sieben Aspect-Ratios plus Headline- und Body-Copy-Varianten, die der Ad-Server dynamisch zusammensetzt.

Die FlexAd-Akzeptanz unter SSPs ist inzwischen flächendeckend. Magnite, PubMatic, Index Exchange und Equativ haben dedizierte FlexAd-Bidder-Endpunkte; Prebid 9.x liefert die Ratio-Information im imp.banner.format-Array mit, sodass die DSP entscheiden kann, welche Creative-Variante die Auktion gewinnt.

Creative-Weight-Limits: 200 kB initial, 300 kB polite-load

Die IAB-New-Ad-Portfolio-Specs definieren strikte Asset-Weight-Limits, die in den vergangenen Jahren mehrfach nach oben angepasst wurden. Stand 2026:

  • Initial Load: maximal 200 kB für Assets, die vor dem pageshow-Event geladen werden müssen.
  • Polite Load: maximal 300 kB zusätzlich nach pageshow, für ergänzende Animations- und Video-Assets.
  • Subsequent Load: maximal 1 MB für Interaktionen, die durch Nutzer-Aktion getriggert werden (Expand, Video-Play, Form-Submit).

Animationen sind auf eine Maximaldauer von 30 Sekunden begrenzt, mit maximal drei Loops für CSS- oder Canvas-Animationen. Die Frame Rate darf 24 fps nicht überschreiten, das CPU-Budget für die Auslieferung liegt bei maximal 30 Prozent eines Single-Thread-Cores, gemessen über ein 100-ms-Sampling-Fenster.

Diese Limits sind nicht nur Empfehlungen. Wer auf großen Ad-Manager-Inventar trafficked, sieht bei Limit-Verletzungen automatisierte Rejection-Reports — Google Ad Manager weist Creatives über 350 kB Total-Weight seit 2024 standardmäßig zurück, mit Override-Möglichkeit durch den Publisher. Bei Header-Bidding-Auctions, wo der Win-Beacon bei einer Latenz-Bremse durch Creative-Weight verloren geht, schlägt das direkt auf die Viewability nach MRC-Standard durch.

HTML5, MRAID 3.0, OMID, SIMID

Die Creative-Auslieferungs-Schicht hat ihre eigene Stack-Hierarchie. HTML5 ist seit 2017 die alleinige Creative-Sprache; Flash ist seit Chrome 76 (Mitte 2019) nicht mehr ausführbar, und auch der IE11-Sunset Mitte 2022 hat die letzten Restplattformen für Flash-Auslieferung beendet.

Im In-App-Kontext greift MRAID — Mobile Rich Media Ad Interface Definitions. Die aktuelle Spec MRAID 3.0 erweitert den Standard um differenzierte Viewability-Events (viewableChange, audibleChange), präzisere getCurrentPosition-Returns für In-Stream-Video-Slots, und eine standardisierte getOrientation-API. Wer App-Inventar trafficked, sollte den MRAID-Compliance-Status seiner Ad-Server-Adapter prüfen — viele kleinere SDKs hängen auf MRAID 2.0 fest, was bestimmte FlexAd-Implementierungen unbrauchbar macht.

OMID (Open Measurement Interface Definition) ist seit 2018 der dominierende Viewability- und Verification-Standard. Die Spec definiert, wie Verification-Skripte (typischerweise von DoubleVerify, IAS, MOAT) auf das ausgelieferte Creative zugreifen, um Viewability, Brand Safety und Invalid Traffic zu messen, ohne dass der Verification-Vendor direkten DOM-Zugriff hat. OMID 1.4 ist die aktuelle Produktiv-Version; 1.5 ist seit Q1 2026 im Public Comment.

Die MRC-Viewability-Definition selbst ist seit 2014 unverändert: 50 Prozent der Display-Ad-Pixel müssen für mindestens 1 Sekunde im Viewport sein. Für Large-Format-Ads (über 242.500 Pixel, was 970 × 250 entspricht) gilt eine reduzierte Schwelle von 30 Prozent. Für Video gilt eine Schwelle von 50 Prozent der Pixel für 2 Sekunden bei aktivem Playback. Diese Werte werden in den großen Verification-Reports unverändert ausgewiesen.

SIMID — Secure Interactive Media Interface Definition — ist der VPAID-Nachfolger für interaktive Video-Creatives. SIMID 1.1 ist seit 2023 marktreif, die Adoption ist allerdings deutlich langsamer als bei VPAID, weil viele Premium-Video-Publisher ihre Interaktivitäts-Specs proprietär weiterführen oder ganz auf statisches VAST 4.x setzen. Wer 2026 noch VPAID 2.0 Creatives ausliefert, sollte die Migration aktiv vorantreiben — Chrome hat VPAID JavaScript-Ausführung im selben Schritt wie die 3PC-Phase-Out auf eine Deprecation-Liste gesetzt.

Migrations-Tabelle für Trafficking-Teams

Für AdOps-Teams, die ihre Creative-Specs 2026 modernisieren, ergibt sich folgende grobe Migrations-Matrix:

Bisheriges FormatEmpfohlene MigrationBegründung
Flash SWFHTML5 (manuell oder via Swiffy-Fork-Tools)Flash ist seit 2019 nicht-ausführbar
VPAID 2.0 VideoVAST 4.2 + SIMID 1.1VPAID-JS-Deprecation in Chrome
Statische 468 × 60Statische 728 × 90 + 300 × 250Full-Banner-Inventar schrumpft, Yield-Differenz 40-60 %
Fixed-Pixel 320 × 50 MobileFlexAd 6:5 oder 2:3Mobile-Slots inzwischen FlexAd-dominant
Custom MRAID 2.0 In-AppMRAID 3.0 mit Viewability-EventsOMID-Integration setzt 3.0 voraus

Diese Migrationen sind in der Regel Trafficking-Aufwand auf Werbetreibenden-Seite, nicht Publisher-Aufwand. Aber die Publisher-Seite muss die Ad-Unit-Konfiguration in Ad Manager und Prebid entsprechend mitziehen, sonst wird das neue Inventar nicht in die Auktion eingespeist.

Was bleibt

Der Banner-Markt ist 2026 weniger spektakulär unterwegs als der Targeting-Markt, aber technisch konsolidierter. Die Format-Vielfalt ist überschaubar, die Spec-Compliance der großen Demand-Player ist sauber, die Viewability-Messung ist mit OMID 1.4 in einem stabilen Korridor. Wer als Trafficker in der Display-Schicht arbeitet, kann die Energie auf Yield-Optimierung, Floor-Strategie und Wrapper-Tuning konzentrieren — das Format-Inventar selbst macht weniger Arbeit als noch vor fünf Jahren.

Die FlexAd-Familie ist die einzige Stelle, an der sich noch echte Spec-Entwicklung abspielt. Die IAB Tech Lab hat für H2 2026 eine FlexAd-2.0-Revision angekündigt, die unter anderem Aspect-Ratio-Container für Cinemagraph- und Lottie-Animationen standardisieren soll. Wer Premium-Branding-Inventar verkauft, sollte den Public Comment der entsprechenden Spec im Auge behalten.


Ressort: Display